Fünf-Prinzipien-Checkliste für die tägliche fachliche Prüfung
1. Primärquelle identifizieren: Suche nach der ursprünglichen Quelle, nicht nur nach Medienberichten. Wenn nur Sekundärzitate vorliegen, kennzeichnen und nach der Originalquelle fragen.
2. Datum prüfen: Wann wurde die Information veröffentlicht oder zuletzt aktualisiert? Ältere Daten können für technische Produkte oder Gesetzeslagen überholt sein.
3. Annahmen offenlegen: Dokumentiere, welche Annahmen zur Berechnung oder Abschätzung genutzt wurden (z. B. Nutzungsdauer, Verbrauchsannahmen, Vergleichsrahmen). Wenn Annahmen fehlen, markiere die Aussage als bedingt interpretierbar.
4. Interessenkonflikte benennen: Wer hat die Information finanziert oder verfasst? Unabhängigkeit und mögliche Interessenkonflikte sollten transparent vermerkt werden.
5. Korrekturweg festlegen: Lege fest, wie Fehler gemeldet, geprüft und korrigiert werden. Stelle mindestens einen Kontakt und ein erwartetes Reaktionsfenster bereit.
Praxis: Primärquelle, Sekundärquelle und technische Daten
Primärquellen sind idealerweise Veröffentlichungen mit Rohdaten, offizielle Berichte oder Herstellerangaben mit nachprüfbaren Messwerten. Sekundärquellen wie Presseartikel sind nützlich zur Kontextbildung, ersetzen aber nicht die Prüfung der Primärquelle. Für Verbrauchs- oder Energieangaben empfiehlt es sich, die offiziellen Klassifizierungen oder erklärenden Leitfäden zu konsultieren, um Messbedingungen und Vergleichsgrößen zu verstehen.
Hinweis: Wenn technische Angaben fehlen oder unklar sind, dokumentiere die Lücke und vermeide definitive Formulierungen. Markiere Aussagen als vorläufig, bis Primärdaten vorliegen.
Umgang mit Datum und Aktualität
Aussagen sollten ein sichtbares Veröffentlichungsdatum tragen und ein "Stand:"-Datum enthalten. Wenn eine Quelle älter ist, prüfe, ob neuere Berichte, Updates oder Nachweise existieren. Für Richtlinien, Verbrauchswerte und technische Standards kann sich die Aussagekraft über die Zeit verändern — kennzeichne entsprechend, welche Aspekte besonders zeitabhängig sind.
Annahmen, Unsicherheiten und sprachliche Klarheit
Formuliere explizit, welche Annahmen für Berechnungen oder Vergleiche genutzt wurden (z. B. Nutzungsdauer, Betriebsstunden, regionale Unterschiede). Gib qualitative Einschätzungen zu Unsicherheiten und vermeide absolute Formulierungen, wenn die Datenlage fragil ist. Solche Hinweise helfen Lesern, die Aussage in den eigenen Kontext einzuordnen.
Interessenkonflikte offenlegen
Führe transparent auf, wer die Informationen bereitgestellt oder finanziert hat. Wenn externe Expertinnen oder Unternehmen zitiert werden, weise auf mögliche Verbindungen hin. Das erleichtert das Einordnen von Aussagen und stärkt die Glaubwürdigkeit der Redaktion.
Korrektur- und Updateprozess
Definiere einen konkreten Ablauf: Fehler melden, Prüfungsschritte, Entscheidung zur Korrektur, Kennzeichnung der Änderung und Datum der Korrektur. Dokumentiere auch, welche Quellen bei einer Revision erneut geprüft werden. Ein nachvollziehbarer Korrekturweg erhöht das Vertrauen in die Redaktion.
Bedingungen und Grenzen
- Diese Methodik gibt ein praktikables Vorgehen vor, ersetzt aber keine fachliche Expertinnenprüfung in speziellen technischen oder rechtlichen Fragen.
- Die genannten Quellen dienen als Grundlage zur Wirkungslogik und zur Einordnung von Verbrauchsdaten; spezifische Messwerte oder rechtliche Regelungen müssen in den Originaldokumenten geprüft werden.
- Manche Themen erfordern Zugang zu Primärdaten oder Fachliteratur, die hier nicht dokumentiert sind; solche Lücken sind zu kennzeichnen.
Kurzanleitung für Redaktionen (Checkliste zum Abhaken)
- Primärquelle vorhanden und verlinkt?
- Publikations- und Aktualitätsdatum geprüft?
- Annahmen sichtbar dokumentiert?
- Interessenkonflikte offengelegt?
- Korrekturweg beschrieben und Kontakt angegeben?
Diese Anleitung ist als redaktionelles Arbeitsinstrument gedacht und nicht als abschließende wissenschaftliche Prüfung. Wo möglich, verweise auf die Originaldokumente und aktualisiere Aussagen, sobald neue Primärinformationen vorliegen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich eine Primärquelle?
Eine Primärquelle enthält Originaldaten, Messwerte oder die direkte Veröffentlichung eines Forschungsteams oder einer Behörde; wenn nur Medienberichte vorliegen, suche das Originaldokument nach. Falls die Klassifikation nicht eindeutig ist, kennzeichne die Quelle als sekundär.
Wann muss ich eine Aussage korrigieren?
Wenn nachweisbare Fehler in Daten, falsche Zuschreibungen zur Quelle oder relevante Aktualisierungen der Primärquelle auftreten. Lege einen klaren Korrekturpfad fest und dokumentiere Datum und Umfang der Änderung.
Wie gehe ich mit Herstellerangaben um?
Prüfe, ob Herstellerangaben durch unabhängige Prüfstellen oder Primärdaten bestätigt werden können. Wenn nicht, kennzeichne die Angaben und erkläre die zugrundeliegenden Annahmen.
